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lookin’ Special: Support your locals

Unternehmen aus Frankfurt im Interview

Unsere “lookin’ Special” Interviewreihe inspiriert, motiviert und ruft positive Gedanken trotz der aktuellen Situation hervor.

Dafür haben wir Frankfurter Unternehmen Fragen gestellt und exklusive Einblicke behind the scenes erhalten.

Wir möchten denen eine Stimme geben, die mit Enthusiasmus das Beste aus der Corona Krise machen, unserer Stadt etwas zurückgeben und für alle Mehrwert schaffen.

Die Interviews sind eine Eigenproduktion der lookin’ Friday und Mainfilm Filmproduktion Frankfurt ohne Sponsoren.

Optimismus können wir jetzt alle gut gebrauchen!

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Frankfurter Autobahn in Corona Zeit
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Theaterhaus Frankfurt

“Ohne die Künstler gibt es kein Theater,
ohne das Publikum gibt es kein Theater.”

Gordon Vajen ist der Intendant vom Theaterhaus Frankfurt, welches ein international tätiges Kinder- und Jugendtheater ist mit Auftritten in Europa, Asien und Afrika.

Er spricht unter anderem über die Probleme und finanziellen Sorgen der Künstler, wie die Digitalisierung zum Vorteil der Kinder genutzt werden kann und wie das Theaterhaus betroffenen Kindern bei zunehmender häuslicher Gewalt helfen kann.

Theaterhaus Frankfurt Support your locals
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F: Wann haben Sie das erste mal gemerkt, dass Corona auch das Theaterhaus treffen wird? Wodurch hat sich das Coronavirus das erste Mal real angefühlt?

A: Wenn sich so eine Epidemie ausbreitet, verfolgen wir die Nachrichten als Veranstalter ganz genau um herauszufinden, welche Auswirkungen das für uns hat. 

Corona ging genau dann los, als das Festival “Starke Stücke” hier eröffnet werden sollte. Das ist eines der größten Festivals für Kinder- und Jugendtheater in Deutschland. Wir waren uns noch Stunden vor Beginn unsicher, ob wir überhaupt spielen können.

Am Tag der Eröffnung kam dann der Shutdown und wir konnten das ganze Festival inklusive der Begleitprogramme nicht mehr zeigen.

Darüber hinaus wurde den Schulen der Besuch außerschulische Veranstaltungen bis zum Sommer untersagt. Im Wesentlichen kann daher der Betrieb erst im September wieder aufgenommen werden.

F: Wie hat die Corona Krise das Theaterhaus getroffen?

A: Ohne die Künstler gibt es kein Theater, ohne das Publikum gibt es kein Theater. Das ist das erste, das ganz deutlich passiert ist. 

Theater lebt vom Spannungsverhältnis zwischen Publikum und Bühne. Das können wir nicht einfach digitalisieren und auf eine Internetplattform stellen. Diese Unmöglichkeit der Digitalisierung eines Theaters weist darauf hin, dass wir immer Menschen brauchen. Wir können uns nicht beschleunigen und wir brauchen auch keine Roboter auf der Bühne. Das funktioniert nicht mit Theater.

Es schützt uns auch vor der Entwicklung, dass alles digitalisiert wird. Die alten Texte müssen immer noch erzählt werden und Menschen müssen immer noch zuhören.

Manchmal vergisst man das im Laufe eines Betriebs, weil man so viel zu tun hat. Dann realisiert man, dass kein Publikum da ist und keine Schauspieler da sind. Es braucht uns dann hier nicht mehr.

Theaterhaus Frankfurt lookin' Special

F: Ich finde das auch sehr schön, dass sie die Sprache, die ein Ausdruck der Menschlichkeit ist, bewahren. Wie ist das denn mit Kindern oder Jugendlichen? Wie wird im Theaterhaus mit Sprache gearbeitet?

A: Wir legen sehr viel Wert auf Sprache. Wenn wir für Kinder ab 2 Jahren, die unsere kleinsten Zuschauer sind, bewegt sich das eher im vorsprachlichen Bereich, obwohl Sprache vorkommt. Je größer die Kinder werden, umso mehr literarische Sprache kommt dann dazu.

Das heißt nicht unbedingt Klassiker! Die spielen wir auch, aber wir haben viele zeitgenössische und moderne Stücke im Programm, von denen wir auch Erst- und Uraufführungen machen. Wenn wir aber mit Kindern arbeiten, dann nehmen wir natürlich auch alte Texte und bereiten die auf. Zum Beispiel verarbeiten wir die Odyssee nach Homer, die erstmals 1781 von Johann Heinrich Voß ins Deutsche übersetzt wurde. Die Sprache ist jedoch sehr kraftvoll und bildreich, sodass wir sie mit der modernen Alltagssprache nicht einholen können. Wenn wir das mit den Kindern erarbeiten und modern übersetzen, ist das für Kinder ein toller Zugang zu den Geschichten und Mythologien.

F: Wie hat die Krise die Schauspieler in dem Kontext getroffen?

A: Für die Schauspieler ist die Situation natürlich katastrophal! Denn als Theaterhaus hat mein Ensemble Gastspiele bis zum Sommer gehabt, die eine Größenordnung von 60.000€ hatten. Das sind Einnahmeverluste die sie jetzt haben, weil die Gastspiele alle ausfallen.

Die anderen, Theaterpädagogen oder Erzähler zum Beispiel, sind in derselben Situation. Sie haben oft mehrere Einkommensquellen. Sie sind beim Einlass an der Oper tätig, machen Workshops bei “Starke Stücke” oder sie organisieren eine Erzählzeit für Kinder in den Schulen. Diese Einnahmequellen brechen auf einmal komplett weg.

Bisher ist nicht absehbar, dass der Staat in dieser Situation den Künstlern tatsächlich effektiv hilft, um diese Nebeneinnahmen, die jetzt fehlen, auszugleichen.

Gordon Vajen Theaterhaus Frankfurt

F: Wie geht das Theaterhaus mit dieser Ausnahmesituation um, auch um den Künstlern zu helfen?

A: Ich rufe meine Leute zusammen, wir sitzen hier auf der Bühne mit dem nötigen Abstand und diskutieren die Fragen:

“Wie gehen wir damit um? Was machen wir hier im Betrieb, wenn es keine Vorstellungen gibt, damit wir etwas zu tun haben?”

Wir alle merken in dieser Zeit, in der wir uns nicht begegnen können, dass diese Begegnungen uns ungeheuer fehlen. Die Kultur ist nicht nur Ausdruck unseres Lebensgefühls und die Auseinandersetzung mit diesem, sondern immer auch Begegnungen. Das heißt soziale Interaktionen.

Deshalb wird nach der Corona Krise unser Theater überlaufen. Das kann ich jetzt schon sagen. Wir werden uns vor Anfragen nach Vorstellungen gar nicht retten können. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Wir tauschen uns aber auch aus, wie es uns geht und wie wir uns in dieser Situation fühlen.

F: Diese Krise kann auch innovative Ideen hervorbringen. Wenn ich das richtig gelesen habe, digitalisiert ihr jetzt eure Erzählungen. Wie seid ihr darauf gekommen?

A: Das war einer unserer Erzähler. Er hat gesagt: “Ich kann zu Hause mein Handy nehmen, etwas aufnehmen und den Kindern schicken. Dann haben sie etwas zu Hause.”

Diese Idee haben wir aufgegriffen und gesagt, dass wir das gleich professionell machen. Unsere Filmemacher haben das Theaterhaus in ein Filmstudio verwandelt. Jeder einzelne Erzähler kommt dann zu uns, setzt sich auf das Sofa und erzählt ein Märchen in aller Ausführlichkeit.

Wir stellen das dann auf Youtube, damit die Kinder das angucken können. Gleichzeitig haben wir alle von dieser Aktion unterrichtet – Erzieherinnen, Lehrer, Eltern, die Stadt Frankfurt. Das Bildungsdezernat hat das dann an alle Kindereinrichtungen geschickt.

Wenn alle den Kanal angucken, dann ist das gut für alle Seiten. Für uns, weil wir etwas zu tun haben, und für die Kinder, weil sie etwas angucken können.

Wir haben dafür auch schon gute Rückmeldungen bekommen. Die Kinder, die sich das bisher angeguckt haben, waren alle sehr angetan davon. Wir haben schon die ersten Hörspiele und die ersten Bilder von den Kindern zurückbekommen.

Insgesamt haben wir bis jetzt 5.000 Zugriffe auf unseren Kanal und das ist mehr, als wir erwartet haben. Das ist sehr schön.

Der Kanal heißt “ErzählZeit Frankfurt”. Das kann man einfach auf Youtube eingeben. Wir haben heute noch Videos gedreht, die man da bald auf dem Kanal finden kann.

Theaterhaus Frankfurt Erzählzeit

F: Das Theaterhaus ist also für Kindern, die zu Hause bleiben müssen, da. Was denken Sie, was die Beschränkungen der Corona Pandemie für Auswirkungen auf Kinder und ihre Familien hat?

A: Ich weiß es nicht, was das für Auswirkungen hat. Wir waren es in unserer Familie sowieso gewohnt zu lesen und unsere Hörspiele selber zu machen. 

Wir hören, dass die Kinder aggressiver werden und häusliche Gewalt zunimmt. Das ist sehr bedenklich, dass viele mit ihrer Zeit nichts anzufangen wissen und es nicht gewohnt sind, selbst kreativ zu werden. Selbst Dinge zu tun. Selbst Dinge in die Hand zu nehmen. 

Die Kinder brauchen gerade in solchen Situationen Unterstützung. Sie brauchen den Zugang zu Schulen. Nicht nur den Unterricht, sondern eben auch die Erzählzeit. Sie merken so, dass sie noch für uns da sind und dass wir sie nicht vergessen haben. Ich kann dann in einen Dialog mit ihnen treten.

F: Wenn Sie sagen, dass die häusliche Gewalt zunimmt: Wie kann das Theaterhaus den  Kindern, die dieser Gewalt ausgesetzt sind, neben der Erzählzeit noch unterstützen?

A: Ich glaube das erste, was wir machen können, ist es mit ihnen in Kontakt zu bleiben, damit sie sich nicht von uns verlassen fühlen. Wenn wir bei ihnen zu Hause sind und Märchen erzählen, können sie darauf reagieren. Das ist eine Möglichkeit der indirekten Interaktion.

Sie können von uns zu Hause erzählen. Wir bekommen auch die Rückmeldung, dass genau das passiert. Die Kinder erzählen von dem, was wir in den Schule machen und das wir Märchen erzählen. Wir haben jetzt beispielsweise schon eine wunderbare Erzählung vom “Süßen Brei” bekommen. Die Kinder können auch Bilder malen. Das ist wichtig für uns, den Kindern das mit an die Hand zu geben, dass überhaupt Handlungsmöglichkeiten für sie da sind. 

Damit kommen wir auch ein bisschen weg von dem Digitalen und dem Internet und zum direkten Spielen. Beispielsweise der große Klassiker “Mensch ärger dich nicht”: Man würfelt, hat Glück und gewinnt und man ärgert sich, wenn man verliert.

Spielen ist das richtige, was man jetzt tun sollte. Jetzt ist die Familie zusammen und macht etwas zusammen. Das Kind hat die gleiche Chance wie ich. Es hat dadurch die Möglichkeit, mich in einem Spiel zu besiegen und mir so gleichgestellt zu sein. Es kann das Glück haben und mit mir teilen. Das ist eigentlich das, was wir jetzt brauchen. 

Deswegen wollen wir mit dem Theaterhaus eine Messe für Familien machen, auf der wir alte Spiele lernen. So können wieder die Familien zusammen kommen und herausfinden, welche Spiele sie zusammen spielen können.

Es ist häufig so, dass die Kinder an ihren Geräten sitzen und dort virtuelle Spiele spielen. Diese machen die Kinder aber einsam und kommunikationslos. Das ist sogar messbar! Kanadische Neurologen haben erforscht, dass durch zu vieles Spielen messbare Gehirn Reaktionen in den Bereichen der Sprache und der Empathie substantiell abnehmen. Das muss uns zu denken geben!

In so einer Zeit ist das also die Gelegenheit, um miteinander zu reden und zu spielen. Wir haben doch Zeit. Dann lasst uns das doch jetzt machen!

#SupportYourLocal Theater
Logo von dem Theaterhaus Frankfurt

Das Lichter Filmfest Frankfurt wird geleitet von Johanna Süss und Gregor Maria Schubert.
Das Festival ist ein Ergebnis der lokalen Filmszene und findet seit 2008 jedes Jahr für sechs Tage zwischen März und April statt. Die Zuschauer werden dabei nicht nur in unterschiedlichen Kinos in Frankfurt unterhalten, sondern es wird auch ein Diskurs bezogen auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen durch beispielsweise Talks und Panels angeregt.
Das Programm des Lichter Filmfests setzt sich dabei aus internationalen und regionalen Filmproduktionen zusammen. Besonders regionale Filmemacher bekommen eine Bühne durch einen Wettbewerb des beliebtesten Kurz- bzw. Langfilms, den das Publikum durch Abstimmung im Internet wählen kann.

Lichter Filmfest Frankfurt International

“Jetzt sind wir das erste deutsche Filmfestival, das online stattfindet.”

Johanna Süß leitet zusammen mit Gregor Maria Schubert das Lichter Filmfest, das jedes Jahr in den Kinos in Frankfurt stattfindet.

Sie spricht unter anderem über die Herausforderungen, das Lichter Filmfest zu digitalisieren, die wirtschaftlichen Implikationen für das Unternehmen und die Filmbranche und wie die Corona Schockstarre Auswirkungen auf die Zukunft der deutschen Filmemacher haben könnte.

Licher Filmfest Frankfurt Support your locals
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F: Wie läuft das Lichter Filmfest ab?

A: Im Grunde eröffnet das Festival einmal im Jahr dienstags mit einer feierlichen Eröffnung, wo wir 500 bis 600 Leute einladen. Dann wird in unterschiedlichen Kinos in der Stadt Kino gezeigt. Die Darstellungen werden umrahmt von Talks, Panels, Musik und teilweise Performances. 

Wir ziehen eigentlich pro Jahr eine Zuschauergruppe von 12.000 Zuschauern an, die dann eine schöne Zeit erleben und aus über 100 Filmen und 140 Kurzfilmen ihr individuelles Programm auswählen können.

F: Wie sieht es dieses Jahr aus?

A: Dieses Jahr wurden wir vom Coronavirus überrascht. Anfang März war klar, dass wir nicht damit rechnen können, die Kinosäle füllen zu dürfen. Wir haben uns dann nach einer kleinen Schockstarre zusammengesetzt und überlegt: Wie kann man das machen? Wie kann man verhindern, dass die Arbeit der letzten acht Monate sich in Luft auflöst? 

Jetzt sind wir das erste deutsche Filmfestival, das online stattfindet.

Lichter Filmfest Frankfurt Johanna Süß

F: Was heißt das, ein Filmfestival online stattfinden zu lassen?

A: Wir haben nicht alle Filme bekommen. Wir haben dennoch eine sehr gute Auswahl an Filmen, die wir den Zuschauern über ein PoV-Verfahren bereitstellen können, ähnlich wie bei Amazon Prime.

PoV bedeutet, dass man virtuell einen Film mieten und zu Hause innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens angucken kann.

Dazu gibt es ein Filmprogramm, das wir zu unserem Jahresthema bereitstellen.

Zusätzlich gibt es auch den Wettbewerb. Da geht es um Kurz- und Langfilme der Region, für die es einen Publikumspreis und die Auszeichnung für den besten Kurz- und Langfilm gibt. Das ist ganz witzig, weil das Publikum über das Internet abstimmt, welcher Film der Beste ist. Die Jury hingegen sieht die Filme separat zu Hause, bespricht sich und kürt dann die Gewinner aus den Kategorien.

Wir wollen auch das Publikum mit uns in Echtzeit zusammenführen, also Talks im Live Streaming anbieten oder eine virtuelle Festival Party feiern.

Die Erlaubnis bzw. die Lizenzen für das Zeigen der Filme im Internet zu bekommen war ein Riesenproblem. Dafür gibt es eigentlich auch keine Strukturen oder keine richtige Lösung. Das sind immer Einzelabsprachen gewesen.

Wir wollen mit dem Kinoticket, das acht Euro kostet, nicht nur die Verleiher bezahlen. Wir möchten ein Drittel der Erlöse aus dem Ticketverkauf an die Kinos geben, die eigentlich unsere Filme gezeigt hätten. Sie haben das nötig.

Lichter Filmfest Frankfurt lookin' Special

F: Was war deine erste Reaktion, als dir bewusst wurde, was Corona für dein Unternehmen bedeutet?

A: Die erste Reaktion war schon relativ viel Angst. Vor allem, weil wir nicht genau wussten: Wie können wir bisherige Leistungen bezahlen? Was bedeutet das für das Unternehmen? 

Das kann man tatsächlich noch gar nicht abschätzen, weil dieses Filmfestival ein Teil des Unternehmens ist. Es gibt zusätzlich diverse Veranstaltungen im Sommer und Spätsommer, die Open Air stattfinden sollen. Wenn wir die nicht in der ursprünglich kalkulierten und geplanten Form durchführen können, dann wird es noch ein bisschen edgy.

F: Was glaubst du, wie wird das Coronavirus die Filmindustrie verändern?

A: Was sich schon verändert hat und aktuell sich noch verändert, ist: Die Kinos sind geschlossen. Die haben beispielsweise im Vergleich zu kleineren Unternehmen das Riesenproblem, dass die Mieten deutlich teurer sind und dass sie, wenn der Betrieb ein oder zwei Monate ausgesetzt wird, schon am Rand der Pleite sind. 

Auf der anderen Seite ist die Filmbranche an sich, insbesondere kleine Filmemacher und Produktionsfirmen. Da ist es gar nicht so einfach, einen für jetzt geplanten Dreh ins nächste Jahr zu verschieben ohne dabei sehr viel Geld zu verlieren. Das bedroht diese Branche natürlich sehr und es bedroht vor allem die kleineren. 

Es ist natürlich klar, dass Hollywood aus dieser Krise ganz gut rauskommen wird. Aber vielleicht nicht der Dokumentarfilmer um die Ecke. Gerade hier im Rhein-Main Gebiet ist es schwierig, gute Ton- und Bildtechniker zu bekommen.

Letztendlich kann der gesamte mittelständische Filmbetrieb neben den Kinos pleite gehen. Das sind leider genau die Leute, die für gutes Kino stehen.

Lichter Filmfest Frankfurt lookin' Special

F: Wie war die Kommunikation mit der Politik zu dem Lichter Filmfest? Welche Herausforderungen gab es?

A: Erstmal sind ja alle Leute dieser ungewöhnlichen Situation ausgesetzt und man darf der Politik nicht übelnehmen, dass sie sich um die schwersten Themen zuerst kümmert. 

Als das Virus in Hessen ankam, hatten wir ein Problem. Wir wussten, dass uns das betreffen würde, aber es gab wenig Vorgaben vom Land, wie man damit umgeht und wie lange das sein wird.

Wir haben ja auch einen öffentlichen Auftrag und da wir Ende April starten wollten war uns lange unklar, ob wir das wirklich machen sollen. Wir wussten auch nicht, ob wir unseren Auftrag damit verletzen, wenn wir umplanen. 

Das war für uns aber tatsächlich schwierig, weil wir lange ohne Antworten waren. Sollen wir das jetzt durchziehen? Was machen wir mit dem Geld, das wir noch nicht auf dem Konto haben? Was eigentlich jetzt kommen würde, wird das zurückgehalten? 

Wir hatten diesbezüglich jedoch das Glück, dass wir eine Kommunikation mit dem Land etablieren konnten. Wir arbeiten ja generell mit dem Land zusammen, eben weil wir einen öffentlichen Auftrag haben.

Ich glaube, weil wir uns sehr früh damit auseinandersetzen konnten, ist uns das auch ganz gut gelungen.

#SupportYourLocal Festival
Logo von dem Lichter Filmfest Frankfurt

Das Lichter Filmfest Frankfurt wird geleitet von Johanna Süss und Gregor Maria Schubert.
Das Festival ist ein Ergebnis der lokalen Filmszene und findet seit 2008 jedes Jahr für sechs Tage zwischen März und April statt. Die Zuschauer werden dabei nicht nur in unterschiedlichen Kinos in Frankfurt unterhalten, sondern es wird auch ein Diskurs bezogen auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen durch beispielsweise Talks und Panels angeregt.
Das Programm des Lichter Filmfests setzt sich dabei aus internationalen und regionalen Filmproduktionen zusammen. Besonders regionale Filmemacher bekommen eine Bühne durch einen Wettbewerb des beliebtesten Kurz- bzw. Langfilms, den das Publikum durch Abstimmung im Internet wählen kann.

Margarete Restaurant

“Das ist so easy wie Spaghetti kochen”

Simon Horn ist Betreiber der Margarete, einem Restaurant und Bistro aus der Frankfurter Innenstadt mit Fokus auf Nachhaltigkeit und transparente Lieferketten.

Er spricht unter anderem über den plötzlichen Schock der rapiden Entwicklungen und fehlenden Kommunikation, die Chance zur Digitalisierung eines Gastronomie Betriebs und wie seine Kunden dank Margarete Spaß am einfachen Kochen bekommen.

Margarete Restaurant Frankfurt am Main
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F: Kannst du die Gedanken beschreiben, die du durch Corona bezüglich deines Lebens hast? Beruflich, als auch privat?

A: Also privat ist für mich Corona ein totaler Einschnitt. Zum Beispiel sehe ich gerade meine Familie nicht, weil ich sehr viel mit Leuten zu tun habe. Wir haben entschieden, dass ich erst einmal für ein paar Wochen, nicht zu Hause wohne. Das ist schon krass.

Das erste mal so richtig im Bewusstsein, auch was die wahrscheinlichen Folgen angeht, war so vor zwei, zweieinhalb Wochen. Ich kann mich nicht mehr genau an den Tag erinnern, weil sich seitdem das Zeitgefühl komplett verändert hat. Es ist jetzt Corona und man hat keine Wochentage mehr. Es fühlt sich so an, als wäre das vor vier Monaten gewesen. Aber wenn man auf den Kalender schaut, dann ist es zweieinhalb Wochen her. Da ist uns blitzartig klar geworden: das wird eine längere Geschichte und etwas Nachhaltiges. Das wird sehr wahrscheinlich auch das gesamte Konsumverhalten verändern. 

Dieses Bewusstsein war schon erstmal ein Schock. Auch zu verstehen, dass der hedonistische Lebensstil, den wir hier bedienen, sich deutlich ändern wird. Unsere Kultur hier in der Margarete ist, dass das Glas immer halb voll ist. Wir haben direkt angefangen uns zu überlegen, was für Chancen die Situation vielleicht mitbringt. 

Margarete Restaurant Simon Horn

F: Was war deine erste Reaktion, als dir bewusst wurde, was Corona für dein Unternehmen bedeutet?

A: Das ist erstmal ein totaler Schock gewesen. Man hat ein Restaurant ohne Gäste! Wir haben zum Beispiel die Entscheidung zwei Tage vorher getroffenen zu zu machen bevor wir mussten. Einfach um es selber in der Hand zu haben. Um nicht so ferngesteuert unterwegs zu sein und selber dem Team sagen zu können: “Hier, wir treffen jetzt eine Entscheidung. Wir machen jetzt die Schotten dicht!”

F: Inwiefern hat sich dein Arbeitsalltag verändert? Welche neuen Wege hast du gefunden, die Probleme deiner Kunden zu lösen?

A: Wenn man davon reden kann, dass man es jetzt richtig positiv nimmt, ist das Gute daran, dass jeder für sich gerade herausrausfinden kann, was er auf dem Kasten hat und wie flexibel wir sind. Zu sagen: “Okay, wir müssen unser Geschäftsmodell ändern, wir müssen was Neues überlegen. Wie gehen wir jetzt in dieses Internet?” 

Wir digitalisieren ein Restaurant und versuchen, so nah wie möglich heran zu kommen und unser Erlebnis zu den Leuten nach Hause zu bringen. Wir haben uns überlegt wie wir das schaffen die gute Zeit, die die Leute hier haben, und die Atmosphäre so gut wie es geht in einen Karton zu packen und zu unseren Kunden zu liefern. Zu unseren Gästen. 

Margarete Restaurant Frankfurt

F: Beschreibe den Weg, den du gefunden hast, deinen Service trotz Corona erbringen zu können? Wie kamst du auf diese Idee?

A: Da waren natürlich diverse Sachen nötig. Auf einmal sitzt man da und merkt: “Ah krass: Musik. Ok, alles klar!” Dann haben wir eine 27 Stunden Spotify Playlist zusammengebaut, die wir den Leuten als Link dazu geben. Man sitzt dann zu Hause, kann sein Bistro Buffet aufbauen und die Musik hören, die auch in der Margarete läuft. Das einfach dieses Gefühl da ist und man sich heimelig fühlen kann. Auf einmal wird das Wohnzimmer zu einem Mini-Margarete.

F: Erklär uns deine Geschäftsidee ab dem ersten Impuls!

A: Also der erste Impuls ist, ich habe Hunger, gehe auf unsere Homepage und suche mir heraus, worauf ich Lust habe. Es gibt verschiedene Themen, wie auch hier in der Margarete. Es gibt einen Bistro Bereich. Da gibt es eher einfache Gerichte, wie eine Bistro Box und die Dinner Box. Es gibt auch Restaurant Gerichte, die ein bisschen anspruchsvoller sind als Bistro Gerichte, wie sonst hier in der Margarete auch. 

Dann rufen wir jeden persönlich an. Das ist unser Hauptthema, dass wir sagen: “Hey, das Internet ist nicht so persönlich, aber wir nehmen’s persönlich. Wir rufen jeden an.” Wenn ich bei uns bestelle, dann klingelt irgendwann in den nächsten Stunden das Telefon und ich rede mit jemandem hier vom Team. Dann wird geklärt, wann geliefert wird. 

Die Kiste kommt dann bei mir zu Hause an und es gibt eine coole Erklärung was ich zu tun habe und wie es geht. Am Ende des Tages wird jeder unserer Gäste zu einem kleinen Hobbykoch, der ein Erfolgserlebnis hat. Auch weil ich mit wenigen Handgriffen etwas zu essen aus unseren vorbereiteten Speisen zaubern kann. Man fühlt dann trotzdem ein bisschen dieses: “Hey, ich habe jetzt etwas gekocht und angerichtet.” Ich glaube, das kommt ganz gut an. Wir haben ein Verfahren entwickelt, wie man das am einfachsten hinbekommt. Das ist tatsächlich so easy wie Spaghetti kochen! 

Zum Beispiel unsere Lammhaxe: die kommt in einem Beutel, man tut sie ins Wasserbad, wartet 15 Minuten und schiebt sie in den Ofen. Dann hat man eine supercoole, leckere Lammhaxe ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Eben genau wie hier im Restaurant, nur dass wir es statt auf einen Teller in Beutel tun. 

Margarete Restaurant lookin' Special

F: Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für euch, erzähl uns ein bisschen was dazu.

A: Für uns ist das Thema Nachhaltigkeit in doppelter Hinsicht spannend. Zum einen geht es natürlich um die Produkte an sich. Natürlich ist es schöner und sinnvoller, Kartoffeln aus der Wetterau zu haben, als aus Südspanien. Und da kümmern wir uns schon seit eh und je viel darum, unsere Lieferantenbeziehungen zu pflegen und immer neue Menschen zu entdecken, die gute Sachen produzieren. Wir stürzen uns darauf und kaufen sehr nachhaltig ein. Aber nachhaltig an der Geschichte ist eben auch, dass die jetzt alle da sind und dass sich Beziehungen entwickeln, die halten. 

F: Fühlt man sich etwas alleine gelassen in der Krise und hast du das Gefühl das gerade jeder für sich alleine Kämpft?

A: Wir kämpfen überhaupt nicht alleine. Wir haben eher das Gefühl, dass wir alle gerade spüren, dass man den ein oder anderen Gedanken unserer Gesellschaft noch einmal überarbeiten sollte. Was sich schon immer gut angefühlt hat, wird verstärkt. Das, was sich schon immer komisch angefühlt hat, wird irgendwie auch verstärkt. Das ist schon ganz interessant. 

Ich finde es zum Beispiel gerade nicht so angenehm im Rewe einkaufen zu gehen. Da ist so eine merkwürdige Stimmung. Aber auf dem Wochenmarkt zum Beispiel ist eine super Stimmung. Vielleicht macht es das klar: “Hey, einfach immer auf den Wochenmarkt gehen. Nicht nur fürs Gewissen und für das Event, sondern zum Einkaufen.” 

Prioritäten richtig setzen und sagen: “Okay, wir geben in Deutschland mit am wenigsten für Nahrung aus.” Das ist vielleicht jetzt eine spannende Frage, ob man Autos oder Geld essen kann? Eher nicht. 

Lieferservice Margarete Restaurant

F: Hast du noch Wünsche, die du gerne äußern würdest z.B. an die Politik?

A: Ich glaube ein berechtigter und guter Wunsch ist ein Schritt mehr Klarheit. Das ist ein bisschen schade, weil es einem als Unternehmer mehr Vertrauen geben würde, wenn es klare Ansagen gibt. 

Zum Beispiel dieses ganze Thema ‘Jetzt ist hier zu’. Gastronomie ist nicht mehr, Friseur auch nicht und Fitnessstudio auch nicht. Die IHK hat jede Adresse. Einfach eine E-mail an alle schreiben: “Übrigens: ab Montag müsst ihr zu haben.” Stattdessen hat man diese Information aus den Tagesthemen oder aus der Presse. 

Da finde ich, es wäre ganz gut gewesen, wenn die Stadtpolitik eine klare Kante gezeigt hätte. Dass sie nicht von heute auf morgen eine Lösung parat hat, ist logisch. Da ist ein gigantischer Druck. Aber ich glaube, dass Kommunikation auf jeden Fall etwas ist, woran man arbeiten sollte!

#SupportYourLocal Restaurant
Logo von dem Margarete Restaurant

Das Margarete Restaurant Frankfurt wird geleitet von Simon Horn, Raffaela Schöbel und Heiko Lucht.
Der Gastronomiebetrieb befindet sich im Zentrum Frankfurts und ist bekannt für eine anspruchsvolle lokal-traditionelle und internationale Küche. Privat- und Geschäftskunden können dort zu jeder Tageszeit bestellen.
Das Unternehmen steht für Transparenz und Nachhaltigkeit. So können Gäste die Zubereitung durch eine Küche im Restaurant direkt nachverfolgen, die Lieferkette ist nachvollziehbar und die Leiter pflegen Bindungen zu regionalen und kleinen Unternehmen.

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